Die Geschichte des Corps Teutonia

Das Corps Teutonia zu Stuttgart wurde am 12.5.1852 als "Gesellschaft Teutonia" an der damaligen Polytechnischen Schule zu Stuttgart gegründet. Von den sechs Studierenden, die sich damals zu einem Freundschaftsbund zusammenschlossen, sind insbesondere der nachmalige Verlagsbuchhändler Geheimrat Dr. Adolf von Kröner und der nachmalige Dichter und Literaturhistoriker Prof. Dr. Wilhelm von Hertz, der auch Tübinger Franke wurde, in ihrem späteren Leben zu hohem Ansehen gelangt. Die junge Teutonia wählte die Farben grün-gold-rot, die auch in der Öffentlichkeit getragen wurden und die bis zum heutigen Tage unverändert blieben, in gleicher Weise wie der Wahlspruch "Vigor, Virtus, Veritas", den sie sich gab.

Vigor: Kraft, Lebenskraft
Virtus: Mut, Tapferkeit, Tugend
Veritas: Wahrheit

In ihren ersten Satzungen nannte sie sich nicht nur Gesellschaft, sondern auch die Bezeichnung "Verbindung" wird darin gebraucht. Durch Zusammenwirken wissenschaftlicher und künstlerischer Kräfte sollte eine geschlossene geistige Einheit gebildet werden, zu der jedes Mitglied nach Maßgabe seiner Fähigkeiten beizutragen hatte. Regelmäßige Kneipen, Sing- und Fechtstunden wurden festgesetzt und die Mitglieder verpflichtet, Satisfaktion zu geben.

Da das Direktorium des Polytechnikums, für das es die akademische Freiheit noch nicht gab, dem studentischen Verbindungswesen wenig wohlwollend gegenüberstand und sogar das Farbentragen zeitweilig verbot, gestaltete sich die Entwicklung der Teutonia in den ersten Jahren schwierig und wechselvoll. Als der Gründungssenior einem schweren Leiden erlegen war, mußte der Bund am 29.4.1854 vorübergehend suspendieren, doch konnte er sich schon am 15.6.1855 als Verbindung wieder auftun. Beziehungen zu den Tübinger Franken und Schwaben, die der Teutonia zeitweilig ihr Paukzeug zur Verfügung stellten und auch bei den Mensuren als Unparteiische fungierten, förderten die fortschreitende Entwicklung zum Corps, die dadurch ihren Abschluß fand, daß die Verbindung sich im Oktober 1861 zum Corps erklärte und damit zum ältesten Stuttgarter Corps wurde.

Nachdem am 15.1.1862 die Verbindung Rhenania den gleichen Schritt getan hatte, kam es an diesem Tage zur Gründung des Stuttgarter SC, dem am 22.5.1863 auch die bisherige Verbindung Stauffia beitrat, mit deren Mitgliedern die Teutonen schon seit 1855 wiederholt die Waffen gekreuzt hatten. Da überdies im November 1860 das Bestehen von Verbindungen am Polytechnikum durch dessen neue Statuten unter gewissen Bedingungen ausdrücklich gestattet wurde, war der Teutonia nun ein rasches Aufblühen beschieden. Allerdings wurden damals schon wie auch in späteren Zeiten der Austragung von Mensuren von der Polizei und dem Direktorium des Polytechnikums große Schwierigkeiten in den Weg gelegt. Gerichtliche Bestrafungen beim Zweikampf abgefaßter Paukanten mit Festungshaft, die auf dem Hohenasperg verbüßt werden mußte, waren schon Ende 1855 ausgesprochen worden. Eine daraufhin auf Veranlassung des königlichen Studienrates verfügte Auflösung der Verbindung blieb jedoch ohne praktischen Erfolg, denn die Teutonia gedieh trotzdem weiter. Durch Vertrag vom 29.4.1870 wurde das Freundschaftsverhältnis mit dem Corps Bavaria zu Karlsruhe begründet, das sich in den kommenden Zeiten als besonders eng und unanfechtbar bewährte.

Am Kriege 1870/71 nahmen siebzehn Stuttgarter Teutonen teil, darunter zwei der neun Aktiven. Ein Rückgang der Aktivenzahl führte zu einer nochmaligen Suspendierung des Corps vom 7.12.1874 bis 6.11.1875. Schon 1877 ergaben sich, allerdings für den ganzen SC neue Schwierigkeiten, als ein Stauffe an den Folgen einer Mensur verstarb, worauf das Direktorium des Polytechnikums die Corps als aufgelöst erklärte. Aber auch diese Auflösung erwies sich als unwirksam, denn Teutonia trug ihre Farben auf der Kneipe weiter, während nach außen hin die genehmigte Polytechnikerverbindung Borussia mit schwarz-weiß-blauem Band und schwarzer Mütze in Erscheinung trat, die sich nach einigen Monaten in eine Thuringia mit orange-gold-grünem Band und grüner Mütze umwandelte. Erst Ende 1880 wurde Teutonia, die ihre Farben schon längst wieder öffentlich gezeigt hatte, vom Polytechnikum wieder genehmigt. Die Unmöglichkeit, ausreichenden Nachwuchs zu gewinnen, zwang dann das Corps Teutonia, am 2.8.1881 erneut zu suspendieren. Dank des selbstlosen Einsatzes des Freundschaftscorps Bavaria-Karlsruhe, das drei Corpsburschen zur Verfügung stellte, konnte nach zehnjähriger Suspendierung am 3.10.1891 das Corps endlich restituiert werden. Das Corpsleben nahm bald wieder einen flotten Aufschwung, insbesondere nachdem am 12.4.1901 das neu erworbene Corpshaus in der Kronenstraße bezogen werden konnte. Um diese Zeit wurde auch der Verein Alter Stuttgarter Teutonen gegründet. Dem Polytechnikum war inzwischen (1890) die Bezeichnung Technische Hochschule verliehen worden.

In den Kriegsjahren 1914-1918 ruhte natürlich der Corpsbetrieb vollständig. Von den dreiundsiebzig Teutonen, die damals den feldgrauen Rock trugen, haben zehn ihr Leben dem Vaterland geopfert. In der Nachkriegszeit wurde für den Fortfall des Wehrdienstes ein Ausgleich in sportlicher Betätigung gesucht. Ein Einfluß des 1926 erstandenen NS-Studentenbundes auf die Lebensformen des Corps machte sich erst in späteren Jahren in zunehmendem Maße geltend, so als im Corpshaus als Kameradschaftshaus eine, auf die Corpsangehörigen beschränkte Wohngemeinschaft eingerichtet wurde, bis schließlich, nachdem der WSC sich bereits aufgelöst hatte, unter dem Druck der politischen Verhältnisse auch das Corps Teutonia am 30.5.1936 seine Auflösung beschließen mußte. Durch Weiterführung der Berichterstattung an die Corpsbrüder mittels der "Teutonenbriefe" die weitere Abhaltung der Stiftungsfeste und ähnliche Maßnahmen blieb jedoch ein enger Zusammenhalt weiterhin gewahrt. Der zweite Weltkrieg, in dem fast die Gesamtheit der Corpsangehörigen in irgendeiner Weise zum Einsatz kam, forderte wieder elf Todesopfer aus den Reihen der Stuttgarter Teutonen.

Am 24.9.1949 wurde durch die Altherrenschaft eine "akademische Verbindung Teutonia" ins Leben gerufen, die am 23.7.1950 als Corps Teutonia die Weinheimer corpsstudentische Arbeitsgemeinschaft mitbegründete und am 21.5.1952 das für 16 Jahren durch Zwangsauflösung erloschene alte Corps Teutonia restituierte. Die Altherrenschaft des am 17.11.1935 aufgelösten Corps Teutonia zu Dresden, das mit der Stuttgarter Teutonia vorher seit Jahren freundschaftliche Beziehungen unterhalten hatte, trat der Stuttgarter Alte-Herren-Vereinigung bei, die infolgedessen seit dem 28.10.1950 den Namen "Verein Alter Stuttgarter und Dresdener Teutonen e.V." führt. Da die Dresdener Alten Herren in dem wiedererstandenen aktiven Corps in Stuttgart auch ihr eigenes Corps weitergeführt sahen, bis die Verhältnisse in Dresden einmal dessen Wiederaufleben gestattet, trugen die Chargierten in Stuttgart auch das schwarz-rot-weiße Dresdener Band, das durch Fechten auf dieses Band von allen Corpsbrüdern erworben werden konnte. Beim 101. Stiftungsfest wurde am 6.6.1953 dem aktiven Corps von seiner Altherrenschaft ein am Herdweg 71 neu erbautes Corpsheim übergeben. Seit Mai 1956 bestehen Freundschaftsverhältnisse auch mit dem Corps Montania in Clausthal und Palaeo-Teutonia-Freiberg in Aachen als den Freundschaftscorps der früheren Teutonia-Dresden. Im Jahre 1966 wurde das Corps Teutonia Dresden in Bochum restituiert und bezog dort in der Brüderstraße 13 eine Corpsetage. 1994 zog das Corps von Bochum nach Dresden um.

Am 29.6.1984 wurde der Viererbund zwischen den Corps Montania Clausthal, Palaeo-Teutonia Aachen, Teutonia Stuttgart und Teutonia Dresden geschlossen. 3 Jahre später, am 14.6.1987 wurde ein weiterer Freundschaftvertrag mit Corps Vitruvia München geschlossen. Am 15.10.1997 wurde unser Corps wegen Nachwuchsmangels suspendiert, 1 Jahr später wurde es durch die Corpsburschen Fromme I, Scheuerle I und Sinn restituiert. Am 12.5.2002 feierten wir als ältestes Corps in Stuttgart unser 150. Stiftungsfest.

 

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Corps Teutonia Stuttgart
05.08.2013
 
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